So machst du deine Beziehung wieder dauerhaft glücklich

Gondel am Kanal in Venedig mit einer Familie besetzt, glückliche Familie

Ein sehr bewegender Kommentar über die Beziehung eines Lesers auf einen meiner Blogbeiträge ist der Anlass zu diesem Blog.

Hier seine gekürzte Geschichte:

„Ich hatte eine wunderbare „normale“ Beziehung mit einer wunderschönen jungen Frau in einer wunderbaren kleinen abbezahlten Wohnung in der Stadt.
Ein tolles Leben ohne Auto, da alles fußläufig war und ich von zuhause aus arbeite. Mehrmals die Woche Essen gehen in der City. Treffen mit Freunden. Jedes Jahr einen mehrwöchigen gemeinsamen Urlaub in einem fernen Land. Zeit und Geld für Hobbies.

Dann wollte sie ein Kind oder es ist aus.

Ok, das ist direkt und hart. Verstehe schon, biologische Uhr. Wird nicht einfach, aber gemeinsam schafft man das schon.

Wird eben alles anders.

Nun haben wir alles, was sie sich wünschte: Ein Kind, einen stolzen Kredit und Haus mit Garten in einer guten Gegend. Fußläufig zum Kindergarten und Grundschule aber eben nicht zur Stadt.

Für alles braucht man das Auto. Man geht gar nicht mehr einfach so spazieren.

 Es gibt immer irgendwas Dringendes zu tun. Sei es für das Kind oder das Haus oder irgendwelche Familienangelegenheiten.

 Zeit für Freunde, Hobbies oder Essen gehen gibt es nicht mehr. Wenn man mal etwas „Unproduktives“ tut wird es einem direkt zur Last gelegt.

Meine Freundin war früher Vollzeit tätig, d.h. wir haben uns mehrere Stunden am Tag mal nicht gesehen. Nun hängen wir seit über drei Jahren aufeinander, sehen uns so gut wie jeden Tag den ganzen Tag.

Wie soll man da jemanden vermissen? Es ist eher das Gegenteil der Fall. Ich freue mich auf jede Sekunde, die ich sie NICHT sehen muss.

Kind und Hausbau/Renovierung haben alle zeitlichen finanziellen und nervlichen Ressourcen um ein Vielfaches überschritten.

Meine Lebenspartnerin ist jetzt Mutter. Das nimmt viel Kraft und Zeit. Da kleidet man sich eben verständlicherweise praktisch anstelle von elegant.
Makeup ist auch nicht mehr nötig. Und die hier oftmals beschriebene „neue sexy Unterwäsche“ hab ich noch nie gesehen.

Wird eben alles anders.

Hinzu kommen noch Marotten, die man eben so entwickelt. Das sind tausende Kleinigkeiten die einen den letzten Nerv rauben.

Als konkretes Beispiel: Den Müll in der Küche nicht in den Mülleimer legen sondern auf die Arbeitsplatte über der Schublade mit den Mülleimern. Genauso mit dem Geschirr, das nicht in der Geschirrspülmaschine landet sondern in der Spüle. Dreck auf dem Boden der fein säuberlich zu Haufen zusammengekehrt wird aber dann als Haufen liegenbleibt, anstelle in den Müll zu wandern usw. Habe das auch mehrfach angesprochen, was an der Situation bzw. dem Verhalten nix geändert hat sondern nur zu Streit geführt hat.

Da einen das so stört und aufregt, räumt man eben alles weg. Bin eh wirklich die ganze Zeit mit Aufräumen, Saubermachen und Versorgung der Familie beschäftigt.“

Da er seinen Namen nicht hinterlassen hat, werde ich den Schreiber dieser Zeilen Herbert nennen.

Hier haben wir die Anatomie dessen am Wirken, was noch zu einem großen Problem führen kann. Je länger er nichts unternimmt, desto schlimmer wird die Situation. Die Beziehung leidet, sie bröckelt. Das Potential ist leider sehr groß, dass sie ZER-bröckelt.

 

Die Anatomie der Frustration

Nun bin ich weder Herbert noch war ich je im persönlichen Gespräch mit ihm, doch er erzählt hier seine Geschichte sehr gut und zeigt seine Situation selten gut auf. Beim Lesen dabei ist mir sofort etwas aufgefallen:

Der gute Mann hat seit der Zustimmung zum Kind so ziemlich alles aufgegeben, was er bis dahin als erstrebenswert und wichtig empfand, um die Frau nicht zu verlieren. Er hat aus seiner Sicht unheimlich viel gegeben, damit seine Freundin das bekommt, was ihr wichtig war. Er empfindet nicht, dass sie ihm ebenso viel gibt.

Erst hat er zum Kind eingewilligt. Danach hat er zugestimmt umzuziehen. Doch nicht nur das, er hat auch ein Auto angeschafft, sein Leben umgestellt und ist nun der alleinige Geldbringer. Das stand alles nicht auf seiner Wunschliste.

Ui! Jetzt höre ich schon die Stimmen laut aufheulen: „Aber er hat doch jetzt ein Kind!“ „Männer muss man zu ihrem Glück zwingen.“ Solche Kommentare kommen sicher über kurz oder lang auch noch unter diesen Blog. (Jeder Kommentar ist übrigens willkommen, er bereichert das Thema.)

Ja, stimmt. Manche Männer (und Frauen auch, bitte schön!!!) wollen nicht zwangsbeglückt werden. Ich übrigens auch nicht, mein Mann nicht, mein Bruder nicht, meine Schwester nicht, meine Freunde auch nicht.

Aber es wurden dabei einige wichtige grundlegende Dinge übersehen.

 

1. Eine Beziehung ist am glücklichsten, wenn sie aus zwei Menschen besteht, die gemeinsam in die gleiche Richtung gehen.

Und ich erkläre da gleich mal, was ich damit sagen will. Ich meine die gleiche Richtung, nicht dieselbe. Wenn sich Partner oder Eheleute auf dieselbe Richtung geeinigt haben, können sie sich gegenseitig nur übertreffen und da geht meist die ganze Harmonie verloren. Nur zu leicht wird dann der Partner als Konkurrent gesehen, nicht als Partner, um in die gleiche Richtung zu gehen.

Natürlich muss man sich auf die Richtung einigen, aber er als Mann und sie als Frau. Er von seinen Aufgaben her, sie von ihren.

Und kommt mir jetzt bitte nicht mit Emanzipation. Eine Firma, eine Pfadfindergruppe, eine Fußballmannschaft funktionieren immer noch am besten, wenn sie sich gemeinsam Ziele setzen und koordiniert, aber jeder von seinen Aufgaben aus, das Ziel ansteuern. Jeder hat etwas dazu beizutragen, dass die Gruppe als Gruppe ihr Ziel erreicht. Alles klar? Gut. Es ist egal, ob sie sich einigen, wer für das Geldverdienen zuständig ist, wer fürs tägliche Kochen oder andere Dinge. Die Aufteilung sollte halt einstimmig sein.

So. Und was war nun mit Herbert? Da scheint es ein Überreden gegeben zu haben. Nichts von dem, was er mitgemacht hat, war sein eigenes Ziel. Er hat zugestimmt, damit er die Frau nicht verliert, aber es war nicht SEIN Ziel, sein Plan. Gut. Die Frau hat er nicht verloren, aber glücklich ist er nicht (und Sex haben sie auch keinen mehr).

 

2. Ehrlichkeit zu dir selbst

Jedes Mal, wenn du dein Ziel absichtlich und vorsätzlich vernachlässigst, stirbst du ein wenig. Gib dein Ziel nicht auf!

Lass dich nicht von deinem Weg abbringen, denn über kurz oder lang stirbst du, wenn auch nicht körperlich, so doch ein wenig im Herzen. Menschen, die innen ein wenig gestorben sind, sind griesgrämig, unzufrieden, kritisieren viel, sträuben sich häufig gegen Vorschläge anderer. Kein Wunder. Sie wurden offenbar schon so häufig überredet, in eine Richtung zu gehen, in die sie nicht gehen wollen, dass sie irgendwann mal „alles“ blockieren, was ihnen vorgeschlagen wird.

Dabei haben sie einfach nur das Vertrauen in sich selbst verloren, ihre eigenen Ziele zu erreichen.

Aber nicht nur das. Sie wollen natürlich auch irgendwann mal, dass jemand anderer die eigenen Ziele übernimmt. Die Person wurde schon so oft gezwungen, Ziele von anderen Personen zu übernehmen, dass auch er mal seine Ziele mit anderen Personen teilen möchte. Niemand will immer nur verlieren.

Und übrigens: Es ist nicht so, dass die Ziele, die Herbert von seiner Freundin/Frau/Lebensgefährtin übernommen hat „schlechte Ziele“ sind. Es sind einfach nicht seine eigenen. Das ist alles. Und er hat diese Ziele, die er auf die eine oder andere Weise übernehmen „musste“, nie zu seinen gemacht. Das kann tausenderlei Gründe haben und sagt wirklich nichts über die Qualität der alten oder neuen Ziele aus.

Tatsache ist, dass bei der Übernahme von Zielen anderer Menschen, die Ehrlichkeit dir selbst gegenüber den Bach runtergeht.

  1. Du lügst dir selbst in die Tasche und das sogar über Jahre. Langfristig magst du dich selbst nicht mehr und schmollst vor dich hin. In Wien würden wir dazu „granteln“ oder „matschkern“ sagen.
  2. Du machst dich kleiner als du bist und gibst dafür den anderen die Schuld. Dabei kannst aber nur du deine Situation wirklich ändern.
  3. Die Ziele anderer Personen oder Organisationen zu übernehmen, ohne selbst wirklich voll dahinterzustehen, hält in den wenigsten Fällen ein Leben lang. Spätestens nach 20, 30 Jahren bricht der Protest gegen die fremden Ziele auf. Die aufgezwungenen Ziele halten nicht. Der andere Partner meint dann vielleicht, „Du hast dich verändert“, wenn in Wirklichkeit nur die aufgezwungene Veränderung der ursprünglichen Persönlichkeit verschwindet. Und so kommt es dann zur Scheidung.
    Und wenn beide zusammen eine Firma haben, kommt es vielleicht sogar zum Konkurs. Oder zum Burnout, wahrscheinlich das am ehesten.

 

3. Veränderung in der Beziehung

Nach einer gewissen Anzahl an Jahren, in denen du deine Ziele, deine Lebensplanung und deine Vorstellungen durch die einer anderen Person ersetzt hast, fragst du dich: „Wie konnte das nur passieren? Wie konnte es nur so weit kommen?“

Es ist dabei wirklich ganz egal, ob das die Ziele deines Ehepartners, deines Bosses oder einer Gruppe sind, der du angehörst. Die ursprünglichen Ziele waren anders und im Nachhinein betrachtet, hast du der Veränderung der Ziele zugesehen und still geschwiegen. Im Moment erschien es die richtige Sache zu sein, doch eigentlich… hm… doch nicht.

Irgendwie hast du dich da selbst betrogen, denn im Zuge der Geschichte hättest du wahrscheinlich irgendwo die Handbremse ziehen können. Und weil du sie nicht gezogen hast, bist du sauer auf dich und auf die Person, die dich auf die eine oder andere Weise dazu gebracht hat, die Handbremse NICHT zu ziehen.

Du sagst also: „Ich konnte nichts gegen dich tun. Du bist viel stärker als ich.“

Was natürlich nicht stimmt. Eine Beziehung ist ja schließlich kein Machtkampf!!!

Seit 2001 habe ich mit Partnervermittlung und Liebesgeschichten zu tun. Fast 1000 Teilnehmer hatte ich auf meinen Seminaren in 9 Ländern. Viele kamen, um in Einzelstunden von mir zu lernen.

Das Muster ist immer wieder zu beobachten: Eine Art von Liebe überwältigt die Liebenden, die sie ihr gemeinsames Leben erzwingen lässt. Die rosarote Brille lässt dich den Partner verherrlichen und die eigenen Ziele, die oft noch gar nicht so gut ausformuliert sind, verschwimmen im Hintergrund des Liebestaumels.

Blöd gelaufen, denkst du dir Jahre später. Stimmt. Blöd gelaufen.

„Den hab ich mir eingebildet“, sagte vor einigen Jahren mal eine Dame zu mir. Stimmt. Ich musste lachen. Ich hab mir auch ein paar Beziehungen „eingebildet“, nur um nachher zu erkennen, dass man sein Glück nicht erzwingen kann.

Du kannst sehr viel tun, um dein Ziel und um gemeinsame Ziele zu erreichen. Du kannst ursächlich handeln und Hindernisse zum Glück überwinden. Gib nicht auf!

 

Das kannst du tun, um deine Beziehung zu verbessern

Egal in welchem Stadium du dich gerade befindest. Das Folgende kannst du selbst tun, ganz am Anfang und auch kurz vor der Trennung, so als letzten Rettungsanker, um die Liebe zur wahren Liebe werden zu lassen:

  1. Finde heraus, was dein Partner gerne macht und woran er Freude hat.
  2. Teile diese Aktivität mit ihm, damit du dich an seiner Freude erfreuen kannst.
  3. Teile deinem Partner mit, was du gerne machst und woran du Freude hast.
  4. Teile diese Aktivität mit ihm, damit er sich an deiner Freude erfreuen kann.

Nein, das ist kein Kompromiss. Das ist Geben und Nehmen, ohne den anderen zu überwältigen oder zu zwingen. Freilich würde niemand einen Fallschirmsprung vom Partner verlangen, wenn dieser schon beim Anblick einer Leiter in Ohnmacht fällt.

Verzieh einfach nicht die Miene, wenn du mit deinem Partner in den französischen Film gehst, den er so gerne sehen will (du aber nicht). Ihr habt aber Zeit miteinander verbracht, seid um eine gemeinsame Erfahrung reicher und der Partner ist glücklich.

Und natürlich ist es nicht so, dass dann der Partner jedes Mal mit ins Kino zum französischen Film muss, wenn ihm diese Filme nicht gefallen.

Der Grundsatz ist jedenfalls wie in diesen 4 Punkten beschrieben. Probier’s aus.

Viel Spaß dabei. Schreib mir doch wie du das umgesetzt hast!

 

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