Liebe auf den ersten Blick – 3 Fragen und 3 Dinge, die du kennen musst

Frau in weiß riecht an weißen Blumen vor ihrem Gesicht

Wieder ist es so weit: Vor mir sitzt eine Gruppe erwartungsvoll blickender Singles, bereit, dem Vortrag über die wahre Liebe und die Liebe auf den ersten Blick zu lauschen.

Der Wunsch nach dieser Art von Liebe ist den Anwesenden ins Gesicht geschrieben. Erwartungsvoll liegen die Blicke auf mir. Etwas unsicher beäugen sich die Teilnehmer untereinander.

Als Vorbereitung für den Vortrag gehen mir dabei manche Beispiele durch den Kopf. Erst kürzlich fuhr ich in einem Zug und traf dabei auf eine junge Dame, die von ihren Eltern erzählte.Sie hatten sich bei einer Beerdigung kennengelernt. Am nächsten Tag hat er sie gefragt, ob sie ihn heiraten wolle. „Frag mich doch in einer Woche wieder“, war ihre Antwort. Er tat es und sie sagte: „Ja!“ Das war vor etwa 25 Jahren und sie sind immer noch glücklich zusammen.

Doch kaum ist die Geschichte erzählt, entkommt von dem Mädchen im Zug gleich der Nachsatz: „Ich weiß! Ich weiß! Das ist eine Ausnahme!“

Richtig. Damit trifft sie ins Schwarze.

Liebe auf den ersten Blick, die gegenseitig ist und über Jahre anhält, liegt definitiv nicht an der Tagesordnung. Statistisch gesehen ist sie die Ausnahme. Doch Ausnahmen gibt es immer. Und um das zu bestätigen, erzählt mir die junge Dame im Zug auch gleich über ihren Freund, der sich seit zwei Wochen nicht mehr bei ihr gemeldet hat und auf ihre Nachrichten nicht mehr reagiert. Glücklich war sie darüber nicht.

Irgendwann, vor vielen Jahren, sah ich mal im Fernsehen einen Mann im Interview. Es ging in der Sendung darum, wie man seinen Partner kennengelernt hatte. Ein Mann erzählte vor laufender Kamera seine Geschichte - ich nenne ihn hier mal „Robert“, denn an seinen Namen kann ich mich nicht erinnern: „Ich war jung. Die Burschen von unserem Dorf und ich saßen wieder mal im Dorfwirtshaus. Aus einer Bierlaune heraus kam es zu der Wette, die ich dann eben angenommen habe. Es ging darum, dass ich dem nächsten Mädchen, das bei der Tür hereinkam, einen Heiratsantrag machen sollte. Na ja... Gesagt, getan.

Es ging die Tür auf und Inge kam herein. Sie war bildhübsch und fröhlich. Erst war sie ein wenig stutzig, doch dann willigte sie sofort ein, mich zu heiraten, und setzte sich zu uns. Wir haben noch alle darauf angestoßen und später geheiratet!“

Niemand hatte eigentlich erwartet, dass Robert und Inge tatsächlich heiraten würden. Robert hat aus einer Wettlaune heraus die Liebe auf den ersten Blick herbeigeführt, denn ohne die Wette, hätte er die Wirtshaustür erst gar nicht angesehen.

Es gibt sie also, die Liebe auf den ersten Blick. Sogar bei den Habsburgern, die für ihre Heiratspolitik bekannt waren, kam das manchmal vor. Als Kaiser Franz Josef seine Cousine Elisabeth sah, stand sein Entschluss, sie zu heiraten, fest. Seine Liebe hielt ein Leben lang, ihre... na ja.

Drei Fragen in Bezug auf die Liebe auf den ersten Blick

Diese Gedanken gehen mir direkt vor dem Vortrag durch den Kopf. Alle diese Ausnahmen gibt es tatsächlich, jeder hat ein paar auf Lager, sie sind sehr bekannt und an diesem Vortragsabend würde ich sicher noch ein paar dazulernen.

So trete ich nun vor die Gruppe hin und stelle schon bald die erste Frage:

  1. „Hat hier im Publikum schon jemand die Liebe auf den ersten Blick erlebt?“
    Einige Hände sind pfeilschnell erhoben, andere folgen etwas zögerlich. Die Verlegenheit, sich zu diesem Gefühl zu bekennen, ist manchen Teilnehmern des Vortrages anzusehen. Die Hand ist nicht sehr hoch erhoben und an den Körperbewegungen erkennt man, dass sie lieber nicht gesehen werden wollen, denn dieses Geständnis ist ihnen ein wenig peinlich.Die Zahl der sich zur Liebe auf den ersten Blick bekennenden Teilnehmer ist von Vortrag zu Vortrag verschieden, aber es gibt sie immer. Diesmal sind es gut zwei Drittel der Anwesenden. Das ist zwar hoch, aber immer noch im Normalbereich.Manchmal taucht an dieser Stelle die Frage auf, was denn „Liebe“ und vor allem „Liebe auf den ersten Blick“ eigentlich wirklich ist und was dahintersteckt.

    Das ist eine hervorragende Frage, auf die ich in einem anderen Blogbeitrag eingehen werde. Doch für heute führt das zu weit. Für heute werden wir es mal sicherheitshalber als „verliebt auf den ersten Blick“ definieren.

    Meine zweite Frage an dieses Publikum gilt der Nachhaltigkeit der Liebe.

  2. „Wer ist mit der Person noch zusammen, in die Sie sich auf den ersten Blick verliebt haben?“
    Denn es stellt sich auch an diesem Abend, wie meistens, heraus, dass fast niemand mit der Person, mit der er diese erste und sofortige Verliebtheit verband, länger als ein paar Monate oder maximal ein paar wenige Jahre zusammen war.An diesem Abend wünschte ich mir als Vortragende wieder einmal einen Spiegel, in dem das Publikum sich selbst sehen könnte. Das Erstaunen und das Ertappt-Werden kann man von den Gesichtern ablesen.Sie alle hatten also schon mal das Verliebt-Sein auf den ersten Blick erlebt, dieses magische Gefühl, das sich als reine sexuelle Anziehung entpuppen kann. Doch sie hielt halt nicht wie erwartet. Die Enttäuschung sitzt tief. Und jeder nimmt’s persönlich.

    Diese zweite Frage nach der Nachhaltigkeit und der Dauer der ersten Verliebtheit, oder der Langlebigkeit dieses ersten Gefühls der Schmetterlinge im Bauch wird mit einem schauerlichen Lächeln gepaart.

    „Natürlich hat es nicht gehalten“
    „Hahahaha, ja das war schnell wieder vorbei!“
    „Der Hund hat mich betrogen!“

    Die Zwischenrufe überschlagen sich.

    Und nun stelle ich die dritte Frage an mein Publikum:

  1. „Wer hier sucht zur Zeit die Liebe auf den ersten Blick? Wer möchte genau dieses Gefühl der Verliebtheit spüren?“
    Es wird wie immer schnell klar: Die Tatsache, dass man sie noch nie erlebt hat, oder, was noch mehr zählt, die Tatsache, dass man damit noch nie erfolgreich war, schreckt niemanden ab, diesen Traum doch im Innersten zu verfolgen.

Gut, dass es Träume gibt.

Noch besser, wenn man Träume verfolgt und nicht aufgibt.

Schlecht ist es, etwas erzwingen zu wollen, das sich nicht erZWINGEN lässt.

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Liebe auf den ersten Blick im Wandel der Zeit

Als Vorlage für diese Form des Sich-Verliebens dient uns seit vielen Jahrhunderten die Literatur. Die alten Griechen hielten jemand für verrückt, wenn er von der Liebe auf den ersten Blick getroffen wurde. In der klassischen Antike war sie also noch nicht erstrebenswert. Das wird wohl daran liegen, dass man jemandem, den man vorher gar nicht kannte, gegen jede Vorsicht blind vertraut. Für Außenstehende ist sie sowieso nicht nachvollziehbar.

Im Mittelalter gab es die Minne, die oft monatelange Verehrung einer Frau durch Gedichte und Gesänge. Die Frau musste diese Liebe nicht erhören, aber so viel Verehrung zu bekommen war sicherlich ganz nett. Für Männer muss es unheimlich frustrierend gewesen sein!

In den folgenden Jahrhunderten wurden romantische Geschichten geschrieben, die unsere Fantasie beflügelt haben. Die mögliche Romantik einer Liebesbeziehung ist der Nährboden für den Wunsch nach Liebe auf den ersten Blick.

Hollywood und Bollywood, also die Filmproduktionen aus den USA und Indien, machen mit diesem Wunsch sehr viel Geld. So wird der Wunsch nach der Liebe auf den ersten Blick genährt und am Leben erhalten.

Doch diese Filme enden nicht immer mit einem Happyend. Manchmal leidet der Protagonist schwer und das Publikum leidet mit und sieht den Film ja doch immer und immer wieder. Irgendwie ist das Weinen und Leiden mit den Hauptfiguren des Filmes halt so wunderschön. Schluchz!!!

Die Kasse klingelt. Man würde schließlich nichts produzieren, was sich nicht gut verkaufen ließe. Beispiele dafür sind „La La Land“, „Dr. Schiwago“ oder „Vom Winde verweht“. Diese Liste lässt sich beliebig lang fortsetzen.

3 Dinge, die du über die Liebe auf den ersten Blick wissen musst

  1. Trotz häufigen Scheiterns suchen Singles immer wieder nach der Liebe auf den ersten Blick. „Häufig gescheitert, immer noch nichts daraus gelernt,“ kann man daraus schließen. Es ist halt nicht sehr klug, mit demselben Rezept, das nie einen guten Kuchen gebacken hat, immer wieder einen guten Kuchen backen zu wollen.

    Suche und finde ein neues Rezept, das nachhaltigen Erfolg bringt. Eines, auf das du dich verlassen kannst.
    Die erfolgreichsten Beziehungen haben sich erst einige Zeit ausgetauscht. Das kann in Form von Briefen, Telefonaten oder Treffen sein.

  2. Verliebt-Sein oder Glück sind nicht das Ziel und schon gar kein Stillstand, kein ewig andauerndes Gefühl. Wer die Gleichförmigkeit anstrebt, das ewige Verliebt-Sein, das der Liebe auf den ersten Blick folgen soll, muss beständig daran arbeiten. Den richtigen Menschen gefunden und sich in ihn verliebt zu haben ist nicht das Ende. Es ist der Beginn der Reise.

    Glück ist nicht permanent. Versagen ist ebenfalls nicht permanent.

    Um Glück zu finden und zu fühlen, muss man erst mal wissen, was man nicht haben oder erleben möchte, also was kein Glück ist.

    Daraus lässt sich ableiten, was man idealerweise erleben will. Und das gilt es dann, als Ziel zu definieren, und daran kann man dann auch gut arbeiten.

  3. Es schwingt ein gewisser Masochismus mit oder zumindest eine Absicht, etwas sturköpfig durchsetzen zu wollen, was sich nur schwer erreichen lässt. Man kann sich zwar auf den ersten Blick verlieben und sexuelle Anziehung mit „wahrer Liebe“ verwechseln, doch wahre Liebe entsteht über die Zeit und ist von Vertrauen, Harmonie und gehaltenen Versprechen geprägt.

Katharina, sie ist mittlerweile glücklich verheiratet, erzählte mir einmal von Gernot, mit dem sie über ein Jahr zusammen war. „Ach, das war ein Kampf! Und ich habe so gelitten, als es vorbei war! Ich wusste total, dass er nicht der Richtige war, trotzdem habe ich Rotz und Wasser geheult, 6 kg abgenommen und konnte gleich nach der Trennung einfach nicht alleine sein.“ Und als Nachsatz kam dann mit einem Lacher: „Den hab ich mir nur eingebildet, er war nett, aber nicht der richtige Mann für mich. Doch damals hab ich das nicht so gesehen.“

Nachher, wenn’s vorbei ist, kannst du es viel leichter zugeben, dass die Trennung wohl gut war. Doch wenn du mitten drin bist, ist das für jeden schwer. Wenn diese 3 Punkte auch für dich zutreffen, dann bist du in bester Gesellschaft. Es geht schließlich den meisten so.

Was du in Bezug auf Liebe auf den ersten Blick tun kannst

Die Paare, die das Ziel der glücklichen Langzeitbeziehung erreicht haben, gingen nicht gezielt auf die Suche nach der Liebe auf den ersten Blick. Sie finden sie, wenn man sie danach befragt, auch gar nicht wichtig oder erstrebenswert.

Sie mögen das zwar als erste Antwort auf eine Frage angeben, doch wenn man ergründet, was sie wirklich getan haben, findet man heraus, dass sie erst sehr genau wussten, was sie von einer Beziehung wollten. Als dann ein geeigneter Mann oder eine geeignete Frau in ihr Leben trat, überprüften sie, ob der oder die Auserwählte auf die Langzeitvorstellungen und -ziele passte.

Und wenn ich nun als Spaßbremse erscheinen mag, das bin ich ganz genau NICHT. Wenn du mit der Liebe auf den ersten Blick bis jetzt nicht erfolgreich warst, ändere die Taktik und vor allem deine Erwartungen.

Wenn du Hilfe dabei brauchst, kann ich dir genauer erklären, wie das geht. Melde dich zu einem Orientierungs-Gespräch an.

Die Erwartung nämlich, dass die Liebe auf den ersten Blick die einzig wahre Liebe ist, dass sie sich auf den allerersten Blick zu erkennen geben muss, ist ein Wunschdenken ähnlich der Hoffnung auf einen Lotto-Sechser. Es gibt den Lotto-Sechser, aber er ist selten.

Gehörst du jedoch zu jenen, die mit der Liebe auf den ersten Blick nicht sehr erfolgreich waren, bedenke bitte, dass der Holly- oder Bollywood-Film damit endet, dass sich das Pärchen bekommt. Das ist im wirklichen Leben nicht immer so. Denn da fängt’s nämlich erst an.

Liebe auf den ersten Blick ist der Anfang, nicht das Ende.
Es ist der Beginn einer Beziehung, an der es noch viel zu entdecken gibt.

Glück ist kein endgültiges Ziel, es will gehegt und gepflegt werden. Doch dazu ein anderes Mal mehr.

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